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DEFAULT : Auf Pellworm ist die Kirche ein Reich für Kinder
05.11.2008 19:22 ( 2279 x gelesen )

Neue Kirchenzeitung vom 4. Juni 1995

Auf Pellworm ist die Kirche ein Reich für Kinder

(von Andreas Hüser)

Zu Christi Himmelfahrt feierte die Gemeinde ein seltenes Fest: Erstkommunion



Der Himmelsfahrtstag war ein großer Tag für Eva-Anne Schneider und Gesa-Marie Hagenhoff. Auf die Erste Heilige Kommunion hatten sie sich lange vorbereitet – Lieder einstudiert, Einladungen geschrieben, Gebete gelernt. Aber auch die ganze restliche Gemeinde war aus dem Häuschen: Erstkommunion 1995
Denn auf Pellworm gibt es nicht alle Tage so eine Feier, noch nicht einmal alle Jahre: Die letzte Erstkommunion liegt mehr als zehn Jahre zurück. Die katholische Kirche auf Pellworm zählt nicht mehr als 20 Seelen. Allein mit den beiden Familien der Erstkommunion-Kinder war die Hälfte der Gemeinde „direkt“ beteiligt. Da wurde es auch nicht eng, als sich alle Kinder der Gemeinde zum Vater-Unser und zum Magnificat am Altar versammelten: Und beim Friedensgruß kletterten die beiden Erstkommunikanten von Bank zu Bank und wünschten jedem: „Der Friede sei mit dir.“
„Bei uns auf Pellworm ist eben alles etwas anders“, sagt Gesas Vater Matthias Goerdt-Hagenhoff. „In unserer Kirche geht es familiär zu, wie in der Urgemeinde.“ Die Kirche, das ist der umgebaute Stall eines alten Bauernhauses. 1977 wurde der Hof in verwahrlostem Zustand gekauft, zu einem Gemeindezentrum umgebaut und auf den Namen des Malers Benedikt „Momme“ Nissen getauft.

Alle 14 Tage kommt Pfarrer Schmidt-Eppendorf aus Nordstrand mit der Fähre herüber und feiert die Messe. Die große Sturmflut von 1634 hat seine Gemeinde in zwei Inseln verwandelt. Im Winter, da kommt es vor,.... daß er nicht wieder auf´s Festland zurück kann. Bei Sturm oder Eis auf dem Watt fährt das Schiff nicht.
Ganz anders sieht es im Sommer aus: Dann bevölkern die Feriengäste die Insel, die katholische Gemeinde wächst um ein Vielfaches und bekommt einen eigenen Ferienpastor. Demnächst wird er auch wieder auf zwei Ministrantinnen bauen können.
Erstkomunion
Denn die beiden Kommunionkinder werden gleich zum Meßdienen verdonnert. „Verdonnert?“ protestiert Gesa Hagenhoff entrüstet, „wir wollen das.“ Denn die beiden Kommunionkinder werden gleich zum Meßdienen verdonnert. „Verdonnert?“ protestiert Gesa Hagenhoff entrüstet, „wir wollen das.“ Und beim Wollen ist es auch nicht geblieben. „Die Kinder wuseln sowieso immer um mich herum“, sagt der Pfarrer. Also hat er ihnen schon gezeigt, was beim Altardienst zu tun ist. „Jetzt haben die eben schon den Führerschein für Meßdiener.“ Die Gaben zum Altar bringen und was ein Meßdiener sonst noch zu tun hat, das haben Eva-Anne und Gesa-Marie schon fest im Griff. Und auch lateinische Lieder können sie wie ein alter Domherr: „Magnificat anima mea Dominum!“
Die anderen, kleineren Kinder aus der Gemeinde warten mit Ungeduld auf den Tag, an dem auch sie „alles mitmachen“ dürfen: Bis zur nächsten Erstkommunion – so sieht es aus- muß die Pellwormer Inselgemeinde nicht wieder zehn Jahre lang warten.


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