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DEFAULT : Wort des Monats April
01.04.2011 01:00 ( 699 x gelesen )

Wort des Monats April 2011

Wort des Monats Momme-Nissen-Haus Pellworm
Der Palmesel erzählt
Alfons Riedl

 
Ein altes, liebevoll geschmücktes Holzkreuz irgendwo in den Bergen ließ die kleine Wandergruppe innehalten. ...



... Ein Spruch daran fand ihre besondere Aufmerksamkeit. Bernhard trat näher und las halblaut:

"Im großen Buche der Natur
siehst du des großen Gottes Spur;
doch willst du ihn noch größer sehn,
dann bleib bei diesem Kreuze stehn."

Die vier schwiegen. Sie empfanden Ehrfurcht vor diesem Glaubenszeugnis der Vorfahren, spürten aber auch Betroffenheit, Zweifel und Fragen. Der Satz hatte etwas Anrührendes und Aufregendes zugleich.
Bernhard machte ein Foto: Kreuz vor eindrucksvoller Gebirgskulisse im milden Licht der Herbstsonne. "Des großen Gottes Spur", kommentierte er vor den anderen sein "Kalender-Motiv".
"Aber noch mehr Größe, heißt es doch, zeigt sich im Kreuz", ergänzte seine Gattin Martina. "Nur: das nachvollziehen fällt mir schwer. Und ich möchte das, was ich glaube und bete, auch verstehen".
"Du fragst dich", bemerkte Barbara, ihre Schwester, "warum das Kreuz Zeichen von Größe ist und nicht von Schwäche".
"Ich weiß natürlich", rechtfertigte sich Martina, "dass durch das Kreuz die Welt erlöst ist, wie wir beim Kreuzweg beten. Aber wäre Gott nicht noch einmal größer, wenn es das Kreuz gar nicht gebraucht hätte? Ich denke mir oft: Warum dieses furchtbare Leiden und Sterben - zur Erlösung der Menschen?"
"Gemeint ist wohl", mischte sich Michael, Barbaras Mann, in das Gespräch, "dass Gott aus Liebe zu den Menschen seinen eigenen Sohn nicht geschont hat".
"Trotzdem!", beharrte Martina. "Hätte Gott die Menschen nicht auch ohne das Kreuz erlösen können - einfach so, dass er den Sündern wieder gut ist? Wie der Vater im Gleichnis den verlorenen Sohn wieder aufgenommen hat, ohne dass sich jemand opfern musste."
"Aber nicht Gott hat Jesus geopfert", gab ihr Michael zurück, "es waren Menschen, die ihn abgelehnt, verurteilt und hingerichtet haben."
"Und Jesus war keineswegs der letzte", schaltete sich Bernhard ein, "wenn ich an die Abertausende von Kreuzen auf den Soldatenfriedhöfen denke, an die Völkermorde, den Holocaust, die KZs, die Terroranschläge, und überhaupt an all die vielen, denen andere das Leben kaputt machen, und da muss nicht einmal Blut fließen."
Langsam setzte die Gruppe ihren Weg fort, wobei ihnen der Spruch am Kreuz noch immer nachging. Eine Weile sagten sie nichts. Zu viele Schreckensbilder sind vor ihrem inneren Auge aufgetaucht und haben sich mit dem wunderbaren Naturerlebnis ihrer Bergwanderung buchstäblich "gekreuzt". Was für eine widersprüchliche Welt!
"Man könnte fast verzweifeln - nicht an Gott, aber an den Menschen", nahm Martina das Gespräch wieder auf.
"Nicht an allen", korrigierte Barbara die bittere Bemerkung; "es gibt so viele, die anderen das Kreuz tragen helfen, anstatt ihnen eines aufzuerlegen; die lieber Unrecht leiden als Unrecht begehen."
"Durch solche wird in unserer weithin gnadenlosen Welt so etwas wie Erlösung spürbar", ergänzte Michael.
"Aber sie können sich so wenig durchsetzen", beklagte Martina; "das Leben auf der Welt bestimmen doch die Machtmenschen, die Profithaie und die Gewalttäter, die andere aufs Kreuz legen und über Leichen gehen".
"Nicht ganz - und nicht in alle Ewigkeit!", stellte Bernhard klar. "Gott ist auch noch da. Er lässt vieles zu, sogar zu vieles, wie ich manchmal meine, aber er behält das Heft in der Hand. Im letzten scheitert seine Liebe zur Schöpfung nicht, auch nicht am Kreuz. Er kann sogar damit noch umgehen."
"Er steht auch noch über dem Kreuz", stimmte ihm Barbara zu und überlegte: "Ob das der Spruch sagen will, dass sich am Kreuz die Größe Gottes noch mehr zeigt?"
"Durchschauen kann ich das dennoch nicht", resümierte Martina.
"Aber glauben und hoffen", ergänzte Michael; "und das ist sehr viel, dass wir das können."
In der Tat, damit lässt sich leben - nicht nur in der Karwoche.


Ganz leise und doch unwiderstehlich
Andrea Schwarz

 
Wort des Monats April
Und mitten in das Dunkel des Karfreitags hinein geschieht Ostern.
Ob die Art und Weise, wie wir Ostern feiern, wirklich etwas damit zu tun hat? Kirchenchor und Halleluja, großes Kirchengeläut und bunte Ostereier, Ostermenü, ein paar Tage frei ...?
Es lohnt sich vielleicht doch noch einmal genauer hinzuschauen.

Klammheimlich hat er sich nachts davon gemacht, ohne Aufsehen, ohne Lärm, ohne Fahnen und Fanfaren. Dunkel und kalt wird es gewesen sein - und er war erbärmlich allein. Mag sein, dass die Verlockung groß war, den Ruf des Lebens, den Ruf der Liebe zu überhören, einfach liegen zu bleiben, sich der scheinbaren Ruhe des Todesschlafes hinzugeben. Einsam mag er gewesen sein, als er den Schritt vom Tod zum Leben wagte, als er den Übergang riskierte, die Grenze überschritt.
Aber da war ein Wort, ein Raunen, eine Stimme. Vielleicht ein leiser Klang, eine leichte Melodie, ein Ahnen, ein vorüberschwebendes Wehen. Ein Ruf des Lebens ... Ein Kampf mag es gewesen sein, ein Kampf mit sich selbst, ein Kampf gegen den Tod, ein Kampf mit seinem Gott.
Und ganz viel Liebe muss in ihm gewesen sein, eine Liebe, die aus einem unendlichen Vertrauen heraus kommt. Eine Liebe, die „nein“ sagt zum Tod, eine Liebe, die herausruft zum Leben, eine Liebe, die Mut dazu macht aus den dunklen Höhlen hervorzukriechen, in denen wir uns vor dem Leben versteckt haben.
Die Liebe und das Leben haben gegen den Tod gekämpft - und sie haben gewonnen.
Er hat gewonnen.
Das Leben hat gewonnen.
Die Liebe hat gewonnen.

Das Leben, die Liebe, Gott gewinnt mitten im Dunkeln, ganz leise und unauffällig, ohne Zuschauer und Fernsehshow, ohne Waffen und Gewalt.

Als der Morgen dämmert, ist das Grab leer, der Stein weggewälzt - und nicht einmal die besten Freunde haben etwas davon mitbekommen. Nichts von Grandiosität, Siegesfeiern, Triumph, strahlendem Sieger, beifallklatschenden Zuschauern ...

Das ist Ostern und das ist Auferstehung - wenn einer mitten im Dunkel dem Leben traut und den Schritt wagt, den Grenzübergang riskiert. Manchmal ganz alleine, mitten ins Ungewisse hinein. Wenn einer den Ruf hört und aufsteht und losgeht ...
Und das ist Ostern - wenn im Dunkel der Nacht plötzlich ein Funke aufglimmt, wenn sich Menschen frierend und ein wenig verloren an einem Feuer in der Nacht treffen, wenn Worte erinnern und berühren, wenn man sich hineinnehmen lässt in das Geheimnis von Verwandlung.
Ostern geschieht immer dann und dort, wo ein Mensch es wagt dem Leben mehr zu trauen als dem Tod, den entscheidenden Schritt zu tun, die Grenze zu überschreiten, aus dem Grab herauszukommen, den Stein wegzuwälzen, der Versuchung zu widerstehen liegen zu bleiben.
Und das geschieht oft mitten in der Nacht, ganz alleine, mit viel Mut. Und es geschieht ohne öffentliches Halleluja, ohne Kirchenchor und ohne Festpredigt.
Ostern muss in mir und mit mir geschehen - oder es wird nicht geschehen.
Das ist Ostern.
Leise und manchmal fast nicht wahrzunehmen - aber doch unwiderstehlich...


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