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DEFAULT : Wort des Monats Dezember
01.12.2008 00:55 ( 1235 x gelesen )

Wort des Monats

Dezember 2008  

Momme-Nissen-Haus

„Die Nacht ist vorgedrungen““, so beginnt ein Adventslied nach Versen von Jochen Klepper, in der das Sehnen von der dunklen Nacht zum hell erleuchteten Tag besungen wird ...



Wir kennen die „Nacht“, sowohl die Nacht um uns herum als die in uns, ausgedrückt in Bildern: Jemand „sieht schwarz“, „tappt im Dunkeln“ oder „blickt nicht mehr durch“.

Alle Religionen können als Antwortversuch auf das Dunkel des Lebens verstanden werden. Nur wer in die Tiefe geht, wer die Tiefpunkte des eigenen Lebens zu durchleiden wagt, wird ganz werden, heil und erlöst. „Nacht“ bedeutet beides: Sie ist undurchschaubar, gefährlich und sie ist schützendes Dunkel, Raum des Vertrauens, erholsamer Schlaf.

Die Nacht spielt auch in der christlichen Liturgie eine zentrale Rolle: die Heilige Nacht, in der Jesus geboren wurde, die Osternacht, in der das neue Licht leuchtet, das alle Finsternis überwindet. In Taizé, wo ich mit Schülern schon mehrfach die Lichterfeier, in der der Auferstehung Jesu Christi gedacht wird, erleben durfte, kommt dies besonders zum Ausdruck, wenn sich das Licht in der schummrigen Kirche langsam zu einem glanzvollen Lichtermeer ausweitet.

Die entscheidende Botschaft des Advent lautet: Die Nacht gehört zu unserem Leben dazu, aber es wird nicht Nacht bleiben. Auch im Dunkel der Krankheit, Hilflosigkeit, Unfreiheit, auch in der quälenden Frage nach dem „Warum?“ oder im Dunkel des Todes ist Gott anwesend. „Mitten im Unheil kommt das Heil auf uns zu“.

Diese kraftvolle Hoffnungsbotschaft zu bezeugen, ist Auftrag der Kirche. Wir brauchen diese Visionen, die sich auf das beziehen, was Menschen und die Welt wirklich bewegt.

In den Armenvierteln ebenso wie an den Börsenplätzen, in der „Religion“ der Unterhaltungsindustrie bis zur Unterhaltung durch die Religionen. Die Adventsbotschaft verschweigt nicht das Dunkel, aber sie verheißt das Licht. Sie bringt nicht Vertröstung, wohl aber Trost. Sie ist durchaus politisch und sieht doch jeden einzelnen. Für diesen Glauben stehen auch die eindrucksvollen Verse von Jochen Klepper, der diese im Vorkriegsjahr 1938 schrieb: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.“


Matthias G. Hagenhoff

 

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