*
Menu
Menu
DEFAULT : März 2009
02.03.2009 18:23 ( 1377 x gelesen )

Wort des Monats März 2009

Spiritualität ist fast ein Modewort. Spiritualität ist Lifestyle. Dabei wird leicht übersehen, dass dieses Wort abgeleitet ist vom lateinischen „spiritus“ (Geist, Atem, Hauch) und inhaltlich vom „Heiligen Geist“ -und damit von Gott selbst. Ein spiritueller Mensch ist ein inspirierter, ein von Gott "angehauchter" Mensch. Dieser göttliche Atem verändert das Leben und formt Lebenshaltung.



Die Frage von dem Sinn und die Hoffnung auf ein Mehr sind ungebrochen lebendig. Man spricht inzwischen von neu erwachter Religiosität. Menschen suchen mehr als Konsum und Kommerz, Unterhaltung und Ablenkung. Die Suche nach Tiefe und Sinn, nach Perspektive und Transzendenz geht in viele Richtungen, ist oft beeinflusst vom Denken asiatischer Religiosität; Esoterik gewinnt an Bedeutung; es gibt ein Interesse am Islam und es gibt eine Rückbesinnung auf die Wurzeln christlichen Glaubens. Immer aber geht es um „das Mehr“ des Lebens, über „das Andere“, das über den Alltag, die Arbeit, das Altern und Sterben hinausgeht, nach einem grund, in der Liebe, die Hoffnung, die Sehnsucht nach Güte und Wahrheit, Gerechtigkeit und Erbarmen ihren festen, bleibenden Grund haben.
Christliche Spiritualität lebt „aus Gott“; sie zehrt vom Heiligen Geist. Sie lässt sich auf den lebendigen und persönlichen Gott ein, öffnet sich ihm, lässt sich von ihm ansprechen und mit der Zeit „formen“. Gottes lebendige Gegenwart wird so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen, die uns umgibt:
 
Es gibt einen Grund, der mich trägt.
Es gibt ein Ziel, das mich anzieht.
Es gibt eine Ewigkeit, die mich umfängt.
 
Gott ist zwar der unendlich Erhabene, aber zugleich der ganz Nahe. Ich kann ihn auch in mir selber suchen, seine Gegenwart in mir und meinem Alltag erleben. Gott ist uns mit seinem Geist näher als ich mir selbst nahe bin. Wenn ich mich selbst nicht mag, mir fremd bin, mich nicht verstehe, dann versteht er mich und kennt mich besser als ich mich selbst kenne.
 
„Du kennst mich, ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir, von ferne erkennst du
meine Gedanken“.
Psalm 130
 
Kraft aus Gott , um in die Welt zu wirken. Die innere Orientierung wirkt sich aus im Tun. Wie komme ich zu einer solchen Weltanschauung und Lebenseinstellung? Wie gewinne ich diese Spiritualität? Wie kann ich ihren Wert erfahren und sie praktisch leben unter den vielen, die ihr Leben ohne ausdrückliche Rückbindung an Gott gestalten?
 
Wenn ich glaube, dass Gott in meinem Leben gegenwärtig ist und daß er mich liebt und darum „das Gespräch“ mit mir sucht, dann kann alles zu einer Botschaft an mich werden, Zeichen der Ermutigung, der Herausforderung, der Warnung ebenso wie Zeichen der Hoffnung. Gottes Beziehung zu mir und meine Offenheit für Gott verleihen der Wirklichkeit um mich herum jenen gleichen Mehrwert an Bedeutung und möglicher Bedeutsamkeit, wie die Rose durch die Liebe zweier Menschen mit Bedeutung aufgeladen wird.
Der Christ sieht und hört nichts anderes als jeder andere Mensch. Aber er sieht diese Einsicht sieht tiefer, dieser Glaube gibt allem eine neue (Be-) Deutung. Ein Blinder kommt zu Jesus, und Jesus fragt: „Was soll ich dir tun?“ Der Blinde antwortete: „Herr, ich möchte wieder sehen können“.
(Markus 10,51)
 
Am Anfang eines intensiveren Lebens aus dem Glauben, steht dieses Sehen wollen und das richtige Hören.
 
„Als mein Gebet
immer andächtiger und
immer innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still. ...
Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, daß Beten
nicht bloß Schweigen ist, sondern
Hören.“
 
Sören Kiergegaard
 
---------------------------------------------------------------------------------------------
 
 
Vorsätze für die Fastenzeit
Schon Vorsätze für die Fastenzeit gemacht? Diese Zeit, auch österliche Bußzeit genannt, ist immer wieder Anlass für diverse Vorsätze. Fasten ist angesagt. Verzicht auf diverse Speisen und Getränke. Ein willkommenes Angebot der Kirche zur Reduktion des Körpergewichtes. Statt teurer Fastenkuren kirchliches Gesundschrumpfen.
Was ist der Sinn des Fastens, oder besser, was ist Fasten überhaupt?
Wir Christinnen und Christen sind gehalten, uns an Jesus zu orientieren. Hat auch er gefastet? Wie hat er das getan?
Es ist bezeugt, dass er sich beispielsweise in die Wüste zurückzog. Viel wichtiger für uns sind aber seine Anweisungen: „Wenn ihr fastet, blickt nicht wie die Blender trübselig drein. Denn sie machen verhärmte Gesichter, um vor den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahr ists, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest: Salbe deinen Kopf und dein Gesicht wasche, damit du nicht den Menschen fastend erscheinst, sondern Gott.“ (Mt 6,16–18)
Die Worte sind klar und deutlich: Das Fasten soll nicht nach außen beeindrucken, sondern eine innere Beziehung zu Gott schaffen. Es soll uns Lebenshilfe sein. Das Fasten soll unseren Blick für das Wesentliche, für das Leben wieder frei machen. Spätestens hier merken wir, dass hinter dem Fasten sich weit mehr verbirgt als Fleischverzicht am Aschermittwoch oder Karfreitag. Dass wir kein Fleisch an diesen Tagen essen, ist ein rein äußerliches Zeichen. Damit ist aber bei weitem noch nicht gefastet im Sinne Jesu. Und darum kann es auch gar nicht gehen. Sonst müsste man gleichermaßen jedes mehrgängige Fischmenü in guten Restaurants an diesen Tagen hinterfragen.
Fasten ist Teil der Antwort auf die Frage: Wie kann ich wahrhaft menschlich leben in dieser Welt, so wie es Gott, der Liebende allen Lebens vorgesehen hat?
Fasten heißt Verzicht. Wie wäre es, wenn wir statt auf gutes Essen auch einmal auf unsere schlechten Angewohnheiten verzichten? Zum Beispiel auf unseren Neid, auf unsere Eifersucht und auf unsere schlechte Laune?
Wie wäre es, wenn wir darauf verzichteten, unsere Natur auszubeuten? Wie wäre es, wenn wir darauf verzichten, in der Familie den anderen auf die Nerven zu gehen?
Genau dahin möchte uns Jesus dirigieren: Dieser Verzicht, dieses Fasten soll unser Leben aufwerten. Es soll uns Freude bereiten, zu merken, dass wir einen Ausweg aus so mancher Sackgasse des eigenen Lebens finden können.
 
 
Don Mario Pinggera, Richterswil
 
 
 
 
Slow me down, Lord
 
Rasend schnell ist unsere Welt und das Prinzip Autobahn beherrscht den Alltag. Wer zu langsam ist, wird überholt. Die Fußgängerampeln sind so schnell geschaltet, dass alte Menschen oder Gehbehinderte kaum in der Grünphase über die Straße kommen, und zu oft wird man hineingezogen in den Sog der Geschwindigkeit. Im Alltag, bei der Arbeit und immer mehr auch in der Freizeit. Das zeigt sich in Ungeduld, Überreizung und schließlich in Erschöpfung. Ich kenne dieses Getriebensein und ich kenne auch diese Erschöpfung und wohl deshalb blieb ich, als ich mal wieder in einer Buchhandlung kramte, bei einem irischen Gebet hängen, ein Gebet wie eine innere Notbremse. Sein Titel lautete: „Slow me down, Lord.“
 
„Mach mich langsam, Herr.
Verlangsame, bremse mich.
Beruhige die schweren Stöße meines Herzens
durch die Besänftigung meiner Gedanken.
Festige mich mit der Vision vom ewigen Maß der Zeit.
Gib mir, mitten in der Zerstreuung meiner Tage,
die Ruhe der immerwährenden Hügel.
Löse die Spannung meiner Nerven mit dem sanften Fluss der Ströme.
Hilf mir, die wiederbelebende Kraft des Schlafes zu erfahren
und lehre mich die Kunst, Ein-Minuten-Urlaube zu nehmen.
 
Mach mich langsam,
um auf eine Blume zu schauen,
mit einem Freund zu plaudern
oder ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Erinnere mich jeden Tag,
dass mehr zum Leben gehört als seine Geschwindigkeit zu erhöhen.
Lass mich in die Zweige der großen alten Bäume schauen und wissen,
dass sie langsam und gut gewachsen sind.
Mach mich langsam, Herr, und beseele mich,
so dass ich meine Wurzeln in den Boden senke
bis hin zu den bleibenden Werten des Lebens.
Damit ich wachsen darf,
den Sternen meiner größeren Bestimmung entgegen.
 
Mach mich langsam, Herr,
mach mich langsam,
bremse,
beruhige mich.“
 
 
Peter Kottlorz
 


Zurück Druckoptimierte Version Diesen Artikel weiterempfehlen... Druckoptimierte Version
Impressum_bottomleft

     Sitemap   I   Impressum   I   Datenschutz     

Datum

Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail