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DEFAULT : Wort des Monats August
28.08.2009 13:53 ( 1154 x gelesen )

Wort des Monats August

„Es gibt nur ein Problem,
ein einziges, in der Welt.
Dem Menschen
eine geistige Bedeutung geben.
Geistige Verunsicherung abbauen.
Auf sie etwas herabregnen lassen,
was dem gregorianischen Gesang ähnelt. (...)
Wir können nicht mehr von
Kühlschränken, Politik,
Skat und Kreuzworträtseln leben,
verstehen Sie.
Das geht nicht mehr.
Man kann nicht mehr
ohne Poesie, ohne Farbe,
ohne Liebe leben.“


Antoine de Saint-Exupéry



August - Urlaub, Ferien, Freizeit. In der Antike meinte "Freizeit", besser: "Muße", eine dem angesehenen Bürger vorbehaltene Zeit, sich zu bilden, Philosophie und Politik zu betreiben, Musik zu hören - eine aktive, ausgefüllte Zeit. Zudem galt Muße als friedvolles Miteinander.

In diesem Sinn war "frey zeyt" im 14. Jahrhundert bei uns die zeitlich begrenzte Friedenspflicht während eines Marktes oder Festes. Vom 16. bis 18. Jahrhundert erhielt "frey zeyt" die Bedeutung einer Zeit gesteigerter persönlicher Freiheit für den einzelnen. Die Industrialisierung brachte eine bis dahin ungewohnte strikte Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit. Heute meint "Freizeit" eine dem einzelnen zur Verfügung stehende Zeitspanne, die weder direkt noch indirekt der Erwerbstätigkeit zugute kommt, sondern in Freiheit selbst gestaltet werden kann.

Ferien (lateinisch "feriae" = Feiertage) waren im römischen Reich Zeiten, in denen das Gericht nicht tagte, seit 1521 "geschäftsfreie Tage". Der Begriff "Urlaub" stammt aus dem Mittelalter und war die Erlaubnis für einen Ritter, seinem Dienst kurzzeitig fernzubleiben.

Benannt ist der August nach dem römische Kaiser Oktavian mit Beinamen "Augustus". Er war Nachfolger von Julius Cäsar und reformierte wie dieser, aber in kleinerem Umfang, den Kalender. Dafür wurde auch er durch einen Monatsnamen geehrt: Der "Sextilis", ehemals sechster Monat des römischen Jahres, hieß ab dem Jahr 8 n. Chr. "Augustus". Weiterer Grund für die Umbenennung mag gewesen sein, dass dies der "Glücksmonat" des Augustus war, der Monat seiner meisten Siege.

Die wogenden, goldenen Getreidefelder stehen in voller Reife, die Zeit des Aberntens ist gekommen. Bei uns wird heutzutage auf den Äckern hauptsächlich Getreide angebaut, und zwar vornehmlich Weizen - früher gab´s hauptsächlich Roggenfelder. Als das Brot noch Hauptnahrungsmittel und die Getreideernte deshalb äußerst bedeutsam war, fiel die wichtigste Erntezeit in den August. Deshalb hieß er im deutschen Sprachraum "Erntemonat".

Bedeutsamer katholischer Feiertag ist der 15. August, das "Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel", volkstümlich "Mariä Himmelfahrt". Das Fest reicht bis in die ersten Jahrhunderte zurück und beruht auf dem Glauben, dass Maria nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Es ist ein sehr brauchtumsbetontes Marienfest - so finden "Kräuterweihen" statt. Als Grund wird unter anderem vermutet, dass Maria im Sinne biblischer Aussagen traditionell als "Blume des Feldes und Lilie in den Tälern" gesehen wird. Solche Kräuterweihen sind schon für das 13. Jahrhundert bezeugt. Drumherum rankte sich viel Aberglaube - die Kräuter sollten Haus und Stall schützen.

Mitte August fanden ursprünglich germanische Erntefeste statt. Die "Frauendreißiger" genannten Tage von Mariä Himmelfahrt ("Großer Frauentag") an einschließlich des Festes Mariä Geburt ("Kleiner Frauentag", 8. September) gehen wohl auf eine zum germanischen Erntefest gehörige dreißigtägige Fastenzeit zurück.

Der August setzt, so Hildegard von Bingen, die kraftvolle Dynamik des Juli fort, steigert dies sogar noch - doch zugleich ist der Höhepunkt des Jahres nun überschritten. Vergleichbar dem Menschen, der mit starker Hand wirkt - und dabei bedachtsam vorsorgen muss für die Tage seiner Hinfälligkeit:

"Der achte Monat kommt in voller Kraft herauf. Daher strahlt die Freude aus ihm. ... Auch kann er schreckliche Gewitter bringen, weil die Sonne sich wieder ihrem Niedergang zuwendet ... Die Eigenschaften dieses Monats zeigen sich in den Händen des Menschen, die jedes Werk verrichten und die Macht des ganzen Leibes in sich vereinigen und speichern. ... Als ein Wissender ... kann der Mensch Gefährliches und Nutzloses ausschalten, das Gute und Brauchbare aber behalten, wie auch die Hände ihre löblichen Verrichtungen kraftvoll und rechtschaffen vollenden, einem Künstler gleich, der ... alle Teile seines Hauses so aufrichtet, dass er in ihnen sein ganzes Wesen weise zum Ausdruck bringt."


Freude durch Lob

Lob - das ist wie ein wärmender, sommerlicher Sonnenstrahl. Von dem Philosophen Josef Pieper stammt das Wort: "Der Mensch ist so gebaut, dass er darauf angewiesen ist, dass man ihm von Zeit zu Zeit sagt: Es ist gut, dass es dich gibt!"

Jeder Mensch braucht ab und zu Lob, Anerkennung, Bestätigung. Das lässt ihn aufblühen. Man sollte sich über das Lob freuen, das andere einem spenden. Schlicht und einfach freuen, ohne dabei in Selbstüberschätzung und Selbstüberheblichkeit zu verfallen. Man hat etwas Gutes vollbracht, und dafür darf man ruhig und ohne schlechtes Gewissen Lob einstecken. Die Abwehr von Lob, die falsche Bescheidenheit zeigt: In ungesunder Weise ist man entweder nicht in der Lage, eigene Erfolge zu erkennen - oder unfähig, zu ihnen zu stehen; man schämt sich ihrer, statt sich zu freuen und stolz zu sein.

Umgekehrt ist es gut und aufbauend, andere Menschen zu loben. Verdeutlicht es doch, dass man ihr Dasein und Wirken bewusst registriert und sich drüber freut, dankbar für sie ist. Und es macht ihr Leben heller.


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