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DEFAULT : Wort des Monats November 2009
01.11.2009 00:57 ( 1047 x gelesen )

Wort des Monats November 2009

Herbst
 
Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.


Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.
 
Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.
 
In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör' ich Kunde wehen,
dass alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.
 
Nikolaus Lenau
 
 
Manchmal spüre ich Sehnsucht, keinen Menschen mehr zu sehen, keinen Lärm mehr zu hören - ich will allein sein, Ruhe haben! Aber gleichzeitig überkommt mich dabei ein ungutes Gefühl. Alleinsein - ist das nicht Einsamkeit, also Verlassenheit, Mutterseelenalleinsein? Bedeutet das nicht, vereinsamt dahinzuvegetieren?
Ich denke an ältere Menschen, denen Verwandte und Bekannte durch den Tod genommen wurden und die dann verbittern. Oder an jemanden, dessen Partner durch einen Autounfall umgekommen ist. Oder an Eheleute, die zu zweit und doch einsam sind, weil sie sich auseinandergelebt haben. Auf dieses bedrückende Schweigen, dieses einsame Alleinsein kann ich gern verzichten! Wäre es da nicht besser, sich in Hektik und Trubel zu stürzen, um zu vergessen? Nur: Wenn ich mit mir allein nicht zurecht komme, komme ich auch unter vielen Leuten nicht zurecht, fühle mich vielleicht noch einsamer!
 
Andererseits fallen mir Menschen ein, die durch Todesfälle zwar allein sind - dabei aber ganz und gar nicht einsam sind, weil sie in sich selbst ruhen und in neuentdeckten Aktivitäten aufgehen. Oder an Mönche in Schweigeklöstern, die in der Hinwendung zu Gott und im Gebet für die Welt allein, doch nicht einsam sind. Es gibt offenkundig auch Alleinsein und Stille - seien sie ungewollt über einen gekommen oder gezielt gesucht -, die keine bedrückende, atemraubende Vereinsamung bedeuten, sondern beglückende, atemberaubende Zufriedenheit. Das hätte ich gern!
Mir geht´s um das bewusst gesuchte Alleinsein, die immer wieder gezielt gesuchte Stille. Das kann "wirkliche" Stille in den eigenen vier Wänden oder in der Natur sein. Das kann auch eine Stille in der Weise sein, dass ich mitten im Lärm den Lärm nicht wahrnehme, ganz auf mich konzentriert bin. Nur in diesem Alleinsein, dieser Stille habe ich Chancen, meine Talente kreativ zu entfalten. Nur so auch kann ich tiefer zu Gott, zu mir und darüber zu den Menschen finden. Für den Weg zu Gott, zu mir selbst eignet sich gerade die "wirkliche" Stille, etwa in der Natur.
 
Die Natur -zum Beispiel auf der Insel Pellworm- kann mir zudem als konkreter Einstieg dienen: Über Sinnes-Wahrnehmungen, etwa die intensive Wahrnehmung einer Blume, lerne ich allmählich auch geistige Wahrnehmungen, werde mir meines Gottes und meiner selbst bewusst. Es geht bei der Wahrnehmung der Blume wie bei der Wahrnehmung von Gottes Wirklichkeit und Gegenwart wesentlich darum, dass ich ganz im Augenblick lebe, mich nicht durch Nachdenken und Aktionen ablenken lasse, mich immer wieder auf die reine Wahrnehmung konzentriere. Das ist mühsam, aber lohnend.
Ich werde mir meines Gottes tiefer bewusst, begegne ihm, nehme in der Stille seine leise Stimme in mir wahr, erfahre mich selbst besser. Ich pflege also erst einmal ganz intensiv die erfüllende Wahrnehmung, ehe ich nachdenke und handle.
 
Geborgen in Gott, gehe ich mit neuen Maßstäben, mit neuem Mut aus dem Alleinsein, der Stille, wieder hinaus ins rauhe Leben, gestärkt zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. 
 
 
 
 
Zu einem Mönch kamen Menschen und fragten ihn nach der Bedeutung von Alleinsein und Stille. Der Mönch schöpfte Wasser aus einem Brunnen und sagte: "Wenn ich das Wasser fördere, ist Unruhe an der Wasseroberfläche. Wenn jedoch Ruhe einkehrt, sieht man sich selber im Wasser. Das ist die Erfahrung der Stille!" (Alte Mönchserzählung)
 
Das Unglück des Menschen beginnt damit, dass er nicht in der Lage ist, mit sich allein im Zimmer zu bleiben. (Blaise Pascal)
 
 
 
                                                                                                         Wenn wir die Menschen
so nehmen, wie sie sind,
machen wir sie schlechter,
als sie sind.
Wenn wir sie
dagegen behandeln,
als ob sie wären,
wie sie sein sollen,
werden wir sie dorthin bringen,
wo sie hingehören. 
 
Johann Wolfgang von Goethe
 
 
 
Lebenskraft aus der Musik
 
Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluss auf das Gemüt. (Napoleon Bonaparte)
 
Schlafstörungen können vielerlei Ursachen haben - gerade in der dunkleren Jahreszeit spielen Gemütsverstimmungen eine Rolle. Um das Gemüt zu "glätten", zu beruhigen und auf diese Weise den Schlaf zu fördern, bietet sich Musik an wie „Claire de lune“ (aus: "Suite bergamasque") von Claude Debussy oder die "Sonate für Klavier Nr. 14 cis-moll" ("Mondscheinsonate") von Ludwig van Beethoven.


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